Antennenkabel durch das geschlossene Fenster verlegen

Wie bringe ich das Antennenkabel durch das geschlossene Fenster?

Herstellung einer Fensterdurchführung für Antennenkabel mit BNC-Anschluss:

Wie bringe ich das Antennenkabel durch das Fenster, ohne ein Loch in den Fensterrahmen zu bohren?
Zu diesem Zweck gibt es bei Conrad Elektronik einen Flachkabeladapter für Satellitenantennen.

Foto 00.Fensterdurchfuehrung.Conrad.jpg

Bild: Conrad Electronic

Dieser besteht aus einem nur 0,2 mm dicken und 18 mm breiten Flachkabel, an dessen Enden sich F-Buchsen befinden. Das Flachkabel passt problemlos zwischen Gummidichtung des Fensters und Fensterrahmen, ohne irgendwelche Spuren zu hinterlassen. Weil so eine Fensterdurchführung für den SAT-Empfang recht gut funktioniert, überlegte ich mir, ob ich sie nicht auch für den Funk verwenden könnte. Gedacht - getan, und rasch eine zweite Fensterdurchführung geholt.

Die originalen F-Buchsen wollte ich nicht verwenden, weil ich dann die Innenlitze des RG58-Antennenkabels verzinnen müsste um sie steif zu machen und in die F-Buchsen hinein zu bringen, was sicher bald oxydieren würde. Diesen vorprogrammierten Wackelkontakt wollte ich von vorn herein vermeiden. Deshalb habe ich die F-Buchsen gegen BNC-Buchsen ausgetauscht.

Im Folgenden beschreibe ich den Umbau, der mit einfacher Heimwerkerausrüstung zu schaffen ist. Man braucht ein Tapetenmesser, einen kleinen Schraubenzieher, einen feinen Seitenschneider, eine Werkstattfeile (flach, ca. 5mm dick), einen kräftigen Lötkolben (50 Watt), Elektronik-Lötfett und wenns geht eine dritte Hand oder einen Schraubstock und eine Schublehre.

An Material wird benötigt: Die SAT-Fensterdurchführung von Conrad Elektronik, Art.Nr. 941056, EUR 8,90, 2 BNC-Buchsen mit Einloch-Zentralbefestigung, 6 Stückchen Drahtreste und ein wenig Gewebe-Klebeband ("Gaffer Tape").

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So sehen die Kabelenden mit den F-Buchsen original aus.

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Das Plastikgehäuse besteht aus zwei Halbschalen und lässt sich leicht mit einem Teppichmesser und einem kleinen Schraubenzieher öffnen. Zuerst mit dem Teppichmesser vorsichtig die beiden Gehäusehälften auseinander biegen.

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Dann mit dem Schraubenzieher an der gezeigten Stelle die Gehäusehälften weiter auseinander trennen. Das Teppichmesser sollte dabei noch drinnen steckenbleiben, aber um das zu fotografieren fehlte mir leider die dritte Hand ;-)

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Anschliessend bekommt man mit dem Schraubenzieher das Gehäuse ganz auseinander.

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Innen schauts so aus: Das Flachkabel hat zwecks Zugentlastung 2 Löcher, die in Zapfen des Gehäuses eingehängt sind. Das Gehäuse der F-Buchse ist mit den Aussenleitern des Flachkabels verlötet, der Innenleiter mit dem mittleren dünnen Leiter des Flachkabels. Die F-Buchse hat einen 8 mm dicken Hals, der im stirnseitigen Loch der beiden Gehäusehalbschalen steckt. Die F-Buchse lässt sich leicht herausnehmen, das Flachkabel sitzt etwas streng auf den Kunststoffzapfen. Beim Herausnehmen des Kabels bitte vorsichtig sein, um das Kabel nicht zu beschädigen.

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Nun die F-Buchse in den Schraubstock einspannen oder sonst wie fixieren. Man kann jetzt das Flachkabel von der Buchse vorsichtig ablöten.

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Die BNC-Buchsen mit Zentralbefestigung werden nun für den Einbau vorbereitet, indem das Gewinde hinter dem Flansch mit der Schmalseite der Feile bis auf einen Durchmesser von 8 mm abgefeilt wird. Falls das Gewinde der BNC-Buchse nicht ohnehin schon eine Abflachung hat (es gibt da unterschiedliche Fabrikate), muss man eine Abflachung kabelseitig mit der Feile herstellen, so wie sie auch bei der originalen F-Buchse vorhanden ist.

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Dann werden die kurzen Stückchen Draht an den BNC-Buchsen angelötet. Eines am Innenleiter, und je eines rechts und links am Gewinde der BNC-Buchse. Mit ein wenig säurefreiem Elektronik-Lötfett geht das leichter als ohne. Die Drahtstückchen gehen nach unten weg (unten ist bei der Abflachung, also kabelseitig) und werden dann nach hinten gebogen und abgezwickt, so dass die BNC-Buchse spannungsfrei und gerade im Gehäuse sitzen kann und die Drahtstückchen genau das Flachkabel berühren.

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Nun werden die Enden der Drahtstückchen mit dem Flachkabel verlötet. Dann Sichtkontrolle, eventuell noch vorhandene Feilspäne u.ä. entfernen und mit Ohmmeter Durchgang zwischen Masse auf beiden Seiten, Innenleiter auf beiden Seiten, sowie Abwesenheit eines Kurzschlusses zwischen Masse und Innenleiter kontrollieren,

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Das Gehäuse wird jetzt wieder geschlossen und

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mit dem Gaffer Tape zugeklebt. Weil das Gaffer Tape 5 cm breit ist, muss man ca. 20 cm von der Rolle nehmen, dieses Stück nochmal der Länge nach in der Mitte auseinander reissen und bekommt so die beiden benötigten Stücke für beide Buchsengehäuse. Alternativ kann man die Gehäuse auch mit UHU-Plus oder Superkleber zukleben, aber dann geht es nie wieder auf.

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Mit dieser preisgünstigen Bastelei kann ich jetzt die UKW-Antenne an der Aussenseite des Hauses montieren und bei geschlossenem Fenster betreiben. Im Winter ein nicht zu unterschätzender Vorteil ;-) . Die gezeigte Sat-Antennenhalterung ist unauffällig montiert und mit einer Flügelschraube versehen. So lässt sich das Alurohr mit der Antenne rasch und ohne Werkzeug montieren und bei Nichtgebrauch ebenso leicht wieder entfernen. Das erspart Beschwerden vom Vermieter.

Foto 14.Antenne.JPG

Ausführliche Tests stehen noch aus. Da der Wellenwiderstand des Flachkabels 75 Ohm beträgt wie es bei SAT-Anlagen und Fernsehantennen üblich ist, sollte man als erstes einmal mit kleiner Leistung das SWR messen, mehr als 30-40 W würde ich diesem Kabel sowieso keinesfalls zumuten. Wunder erwarte ich mir keine, aber immerhin ist so die Dämpfung von 70 cm Ziegelwand zumindest verringert. Und solange der Funkamateur lebt, so lange bastelt er...

vy73, OE1VFW Wolfgang

Dieser Artikel erschien auch in der QSP, der Vereinszeitschrift des ÖVSV - dem Österreichischen Versuchssenderverband.

http://www.oevsv.at